Montag, 25. September 2017 

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Ausstellungseröffnung, Michael Hedwig, Bewegungen der Seele, Österr. Kulturforum, Istanbul, 16.5.2007


Cigdem Ikiisik, Dr. Ulrike Outschar, Michael Hedwig (Foto: Mahir Namur)

Michael Hedwig und sein graphisches Werk sind den regelmäßigen Besuchern unter Ihnen keine Unbekannten: Bereits vor inzwischen 5 Jahren hatten Sie Gelegenheit, sich mit den wunderbaren, überaus sensiblen und feingesponnenen Arbeiten des Künstlers auseinander zu setzen und es ist mir eine große Freude, nun, nach geraumer Zeit einen weitern Abschnitt seines künstlerischen Schaffens hier im Palais Yeniköy präsentieren und Michael Hedwig unter uns begrüßen zu dürfen.
Die griechische Mythologie kannte den Begriff des Seelenbegleiters - in der Gestalt des Gottes Hermes, der auch als Vermittler zwischen den Göttern des Olymps und den Menschen fungierte, hatten die Seelen der Menschen einen Begleiter auf ihrer Gratwanderung zwischen den verschiedenen Bewusstseins- und Wirklichkeitsebenen zur Seite, der ihre Kräfte und Energien zu bündeln und lenken vermochte. Manifest wird dies im menschlichen Körper, der als Träger dieser Energien zum Entstehen beziehungsgebundener Muster nicht nur beiträgt, sondern diesen Inhalt, Gehalt und Vielfalt verleiht. Diesen Mustern spürt Michael Hedwig in seinen Arbeiten nach und es gelingt ihm in unnachahmlicher Weise, auf dieser Spurensuche seinen ganz persönlichen Zugang bewusst und sichtbar zu machen - eine Spurensuche, die somit einerseits für jeden von uns nachvollziehbar ist und andererseits jedem von uns neue Zugänge eröffnet.
Es sind nicht nur der Seele dunkle Pfade, die uns vornehmlich in den Bereich der Psychoanalyse zu führen vermeinen - wir wandern vielmehr auch durch die lichtdurchfluteten Gänge unseres Unterbewusstseins in Auseinandersetzung mit den unzähligen uns umgebenden Abbildern persönlicher Wirklichkeiten.
Angesichts dieser wunderbaren Graphiken fällt es sicherlich nicht schwer, sich auf diese Spurensuche zu begeben und ich lade Sie sehr herzlich ein, ihr hier und heute ausführlich zu folgen.
Besonders eindrucksvoll nahm diese Spurensuche sichtbare Gestalt in einer Arbeit Michael Hedwigs an, welche vor zwei Jahren in einer der Wiener U-Bahnstationen installiert werden konnte, wo sie die Hast und Betriebsamkeit unserer Seelen festhält und ihr Innehalten, wenn auch nur für kleine Momente, verdeutlicht.
"Zum Augenblick ich sagen möchte - verweile doch, du bist so schön" - dieses ersehnte Innehalten in den Bewegungen der Seele ist uns selten beschieden und dennoch ist es der Wunsch dazu, der uns beseelt.
In der Video-Installation, die gleichzeitig mit der heutigen Ausstellung gezeigt wird, können Sie minutiös das Entstehen dieses Werkes nachvollziehen - von den ersten, noch sehr kleinformatigen Entwürfen bis hin zur Fertigstellung, begleitet von der Darstellung technischer Details, logistischer Bewältigung und Fortschreiten des gesamten Entstehungsprozesses. Ich danke Herrn Hedwig ganz besonders auch dafür, dass er uns mit diesen Bildern Einblick in seinen Schaffensprozeß gewährt und möchte ihm auch an dieser Stelle nochmals sehr herzlich zu dieser wunderbaren Arbeit gratulieren, die in der Unterwelt Wiens einen prominenten Platz und in ihm einen Seelenbegleiter für deren Betrachter gefunden hat.

Dr. Ulrike Outschar, Direktorin des Österreichischen Kulturforums Istanbul

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